Unsere Online-Magazine: hausbau.net - bauen.com - fertighaus.com - kueche1.com
Der Bauerngarten

Bauerngärten haben ein klares, einfaches Ordnungsprinzip, gepaart mit einer Pflanzenpracht, die Nutzen und Zierde in schönster Harmonie vereint.

Im Bauerngarten wachsen Kräuter, Blumen und Gemüse einträchtig nebeneinander. Aufgrund der Beeteinfassung - meist aus Buchs -, die die farbenprächtige Vielfalt im Zaum hält, wirkt er aber niemals unruhig oder überladen.

Eine sehr „lukrative“ und attraktive Beeteinfassung ist auch die Ringelblume. Sie schneidet überall gut ab, egal ob im Salat, zur Schädlingsabwehr, als Schnittblume, Tee oder Wundsalbe. Im Gemüsegarten vertreibt sie außerdem schädliche Wurzelälchen (Nematoden).

Foto: www.gaerten-europas.de

Foto: www.gaerten-europas.de

Ausgeklügeltes Pflanzschema


Die Standortwahl innerhalb der Beete beruht auf einem jahrhundertealten Erfahrungsschatz.

Die Bäuerin wusste früher genau, dass die hoch wachsenden Stockrosen ein idealer Hintergrund für niedrig wachsende Stauden und Sommerblumen sind.

Außerdem war ihr bekannt, dass Dill einen feuchten Wurzelbereich schätzt. So war es praktisch, den Dill zwischen Gemüse zu säen, wo die anderen Gewächse den Boden beschatten und ihn so gleichmäßig feucht halten.

Besonders gut passen auch Möhren und Zwiebeln zusammen, weil sie sich gegenseitig vor Schädlingen schützen. Andere Pflanzen wie zum Beispiel die Pfingstrose oder das Tränende Herz sind weniger „gesellig“, ihre schönen Blüten kommen am besten in Einzelstellung zur Geltung. Deshalb pflanzte die Bäuerin sie kurzerhand fernab von allen anderen blühenden Pflanzen mit ins Gemüsebeet.

Mischkultur statt eintönige Beete

Mit dieser praktischen Pflanzenbenachbarung waren zeitraubende Pflegearbeiten passé. Mischkultur heißt das Zauberwort. Und sie bringt eine Menge Vorteile mit sich: Schädlinge können sich nicht mehr so schnell vermehren, da sie sich ihre Futterpflanzen erst suchen müssen. Durch den Wechsel von Flachwurzlern wie Spinat, Erbsen oder Kohlrabi und Tiefwurzlern wie Kohl und Sellerie werden die Nährstoffe im Boden besser ausgenutzt. Meistens reicht es dann als Düngemaßnahme aus, derartige Mischkulturen mit gut verrottetem Kompost zu düngen.

Am besten arbeitet man im Frühjahr eine 1-2 cm dicke Schicht in den Boden ein. Ein Schuss Brennnessel-Jauche alle drei Wochen hilft zudem, auch die Pflanzen mit großem Nährstoffhunger wie Tomaten oder Gurken zu „sättigen“.

Ordnungssinn im Garten

Praktische Überlegungen spielten im Bauerngarten schon immer eine große Rolle. Schaut man sich alte Exemplare an, erkennt man, dass die Beete oft streng geometrisch angelegt und gegliedert wurden. Ein Brunnen oder ein besonderer Strauch betonte die Mitte des Gartens. Auch Wege wurden schnurgerade und funktional angelegt. Dies ist zurückzuführen auf den Ordnungssinn der Bäuerin.

In erster Linie diente der Bauerngarten dazu, die Grundversorgung der Familie sicherzustellen. Deshalb galt die meiste Aufmerksamkeit den Nutzpflanzen. Aber auch Kräuter waren wegen ihrer Heil- und Würzkraft sehr begehrt. Blumen hingegen wurden weniger wegen ihrer Farbenpracht als vielmehr wegen ihrer Inhaltsstoffe gezogen. Malven und Lilien waren zum Beispiel gern gesehene Gäste im Bauerngarten: Malventee war ein altbewährtes Hausmittel bei Husten und Heiserkeit. Lilienöl half bei Insektenstichen oder Brandwunden.

Harmonie mit der Umgebung

Bäuerinnen dachten schon immer wirtschaftlich. Diese Denkweise war auch für die Materialwahl im Garten ausschlaggebend. „Mutter Natur“ brachte alles mit sich, was nötig war: Holz aus dem (meist) eigenen Wald für Zaun und Bänke, Rindenschnitzel für weiche Wegeteppiche, Steine und Kies aus den Steinbrüchen für Beläge. Diese natürlichen Materialien gingen eine harmonische Verbindung mit den Gartengewächsen ein und sorgten gleichzeitig dafür, dass sich der gesamte Garten vorzüglich in das Landschaftsbild einpasste.

Im Bauerngarten durfte nur bleiben, was sich bewährte. Deshalb blieb er im Laufe der Jahrhunderte auch von modischen Strömungen weitgehend verschont und verkörpert bis heute ursprüngliches ländliches Gartenglück.