Der Naturgarten
17.01.2006

Der Naturgarten

Der Naturgarten bietet nicht nur Lebensraum für viele Tiere wie Vögel, Igel oder Schmetterlinge, er überzeugt auch mit der Schönheit der heimischen Pflanzenwelt.

Lebensraum für Flora und Fauna

Viele Menschen träumen von einem Häuschen mit Garten, in dem sich bunte Blumen im Wind wiegen und die Vögel zwitschern. Doch die Wahrheit sieht oft anders aus: kurz geschorener Rasen, Waschbetonplatten und geradlinige Hecken prägen das Bild.

Aus Sicht der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt sind derartige Gärten als „ökologische Wüste“ zu bezeichnen. Auch für den Menschen stellen sie keinen „artgerechten“ Lebensraum dar, in dem er sich gebührend von einer zunehmend technisierten Welt erholen kann. Wer seinen Garten naturnah gestaltet, kann sich ein Stück unbeschwerte Kindheitserinnerung zurückholen. 

Aber Naturgärten stellen nicht nur für den Menschen eine wichtige Rückzugsmöglichkeit dar: auch stark gefährdete Flora und Fauna finden im Naturgarten einen Lebensraum. Die rund 17 Millionen Gärten in Deutschland entsprechen etwa der Fläche aller ausgewiesenen Naturschutzgebiete. Das zeigt, wie groß doch die Bedeutung der Privatgärten ist.

Im Naturgarten haben heimischen Pflanzen in jedem Fall Vorrang vor fremdländischen Exoten. Erstere sind auch weniger anfällig für Schädlinge oder Krankheiten, weil sie sich den hiesigen Bedingungen angepasst haben.

Dafür müssen sie aber am richtigen Standort wachsen, denn feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie zum Beispiel Gelbe Taglilie oder Schachbrettblumen verkümmern auf zu trockenem Sandboden. Nicht selten greift man hier dann aus Unwissenheit zu chemischen „Waffen“.

Patentrezept: Vielfalt

Foto: NABU

Foto: NABU

Unsere heimischen Wildpflanzen sind Teil eines ausgeklügelten Ökosystems. Sie dienen vor allem zahlreichen Insekten und Vögeln als Nahrungsquelle.

Wer sich zum Beispiel für einen heimischen Wacholder anstelle eines chinesischen entscheidet, deckt 43 Vogelarten den Tisch anstelle von einer. Auch die Vogelbeere ist unübertroffen: der schlanke „Wildling“ ernährt 63 Vogelarten.

Die Schmetterlingsraupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs und Admiral benötigen sogar exklusiv die Brennnessel als Futterpflanze. Es lohnt sich also auch so genannte „Unkräuter“ in seinem Garten zu dulden.

Das Patentrezept für einen naturnahen Garten heißt demnach Vielfalt. In einer frei wachsenden Hecke aus einheimischen Wildsträuchern oder einem Naturteich finden zahlreiche Pflanzen und Tiere ihre ökologische Nische.

Die unterschiedlichsten Lebenräume entstehen auch, wenn man den bei Gartenarbeiten anfallenden Erdaushub "gewinnbringend" auf dem Gelände einsetzt: indem man Hügel und Täler formt, Böschungen anschüttet oder Höhenunterschiede mit Trockenmauern abfängt.


Unterschlupf für Tiere

Wer zu wenig Platz hat oder seinen Garten nicht gänzlich naturnah gestalten will, kann schon mit kleinen Schritten einiges bewirken: einfach das Falllaub unter Gehölzen liegenlassen. Es schützt nicht nur den Boden, sondern führt ihm auch noch Nährstoffe zu und bietet vielen Kleintieren eine Rückzugsmöglichkeit.

Auch morsche Baumstümpfe und alte unbehandelte Holzpfähle sollten im Garten geduldet werden. Unter ihnen tummeln sich zahlreiche holzbewohnende Käfer und andere Insekten. In die Bohrlöcher der Käfer ziehen als Nachmieter Wildbienen ein, die nicht nur von hoher Lebensraumqualität zeugen, sondern auch völlig harmlos sind und nicht stechen. Man kann den seltenen Insekten auch helfen, indem man Nisthilfen für sie kauft oder selbst herstellt.

Einen geschützten Lebensraum bieten den Vogelarten oder Igeln auch locker aufgeschichtete Äste oder Reisighaufen vom letzten Gehölzschnitt.

Natürliche Schädlingsbekämpfer

Igel vertilgen übrigens mit Vorliebe die bei Gärtnern gefürchteten Nacktschnecken. Dies zeigt, dass in einem naturnahen Garten immer genügend natürliche Fraßfeinde vorhanden sind, die Schädlinge im Zaum halten. So stehen Blattläuse auf dem Speiseplan von Marienkäfern und Florfliegenlarven. Vögel und Schlupfwespen „vernaschen“ die gefräßigen Raupen.

Sogar der Maulwurf ist ein heimlicher Helfer. Er verzehrt nicht nur Larven, sondern auch unbeliebte Würmer und Käfer. Die aufgeworfene Erde, die der pelzige Mitbewohner im Garten verteilt, kann einfach zum Befüllen von Blumentöpfen verwendet werden.
 
Mischkultur und Fruchtwechsel können Schädlingsbefall verhindern. So kann man zum Beispiel Kohlweißlinge fernhalten, indem man Sellerie, Tomaten oder stark duftende Kräuter wie Thymian und Salbei neben den Kohl setzt.

Wer die Pflanzen während der Flugzeit der Kohlweißlinge alle zwei Tage mit einer Brühe aus Tomatenblättern besprüht, erhält zusätzlichen Schutz. Dazu zwei Hände voll mit zwei bis drei Liter Wasser aufgießen und drei Stunden lang ziehen lassen, abseihen und unverdünnt aufsprühen.

Sollte dennoch einmal eine Schädlingsart überhand nehmen, kommen Naturgärtner auch ohne chemische Präparate aus. Nützlinge - im Fachhandel erhältlich – können gezielt im Garten ausgebracht werden.
Bleibt nur noch eine Gefahr: die Hauskatze. Wer sie während der Brutzeit der Vögel nicht im Haus einsperren will, kann Nester in Bäumen durch so genannte Katzengürtel (z. B. von Schwegler) schützen.

Diese werden am Stamm befestigt und versperren der Katze den Weg nach oben. Ein weiteres effektives Mittel ist eine so genannte „Verpiss-Dich-Pflanze“ (z. B. von Gärtner Pötschke), deren Duft die Katzen fernhält.

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