Stein ist nicht gleich Stein!
Wir starten mit einer Frage, die eigentlich eher aus einer Unterrichtsstunde in Biologie oder Ökologie stammen könnte: Wie entwickelt sich ein beliebiges Stück Boden, wenn man es sich selbst überlässt? Eine kleine Gedankenreise beginnt und führt den Einen oder die Andere in den eigenen Garten: Gräser und Wildkräuter siedeln sich an, bald sprießen auch erste Gehölzsämlinge, und nach kurzer Zeit ist die Fläche bewachsen, der Boden vollständig bedeckt. Selbst an extrem schwierigen Standorten mit wenig Erde und wenig Wasser, zum Beispiel in den Fugen des Gartenwegs, keimen Samen und wachsen Pflanzen. Solcher Wildwuchs führt meist eher nicht zu großer Freude bei Gartenbesitzenden - schon gar nicht im Vorgarten, der quasi die Visitenkarte des Hauses ist. Dort verfolgt man einen Gartenplan mit speziellen Gewächsen und hat sich dabei oftmals an natürlichen Vorbildern orientiert.


Trostlose Schotterschüttungen
„Aus einer repräsentativen Marktforschung wissen wir, dass für die meisten Schottergartenbesitzenden die vermeintliche Pflegeleichtigkeit das entscheidende Motiv war", erläutert Michael Henze. „Dabei ist das ein großer Irrtum!" Eine Schotterwüste besteht meistens aus großflächig ausgebreitetem Schotter oder Kies mit wenigen oder gar keinen Pflanzen. Oft wird unter den Steinen ein Unkrautvlies verwendet und damit der Boden versiegelt. Die Folge: Regenwasser kann nicht mehr versickern, der Boden ist staubtrocken und kann keine Verdunstungskühle schaffen, die Steine heizen sich am sonnigen Tage extrem auf. Hinzu kommt: Trotz Unkrautvlies keimen nach einiger Zeit - so ist die Natur - zwischen den Steinen kleine Wildkräuter. Moose und Flechten beginnen die Fläche zu besiedeln. Diese zu entfernen ist sehr arbeitsaufwändig und das genaue Gegenteil von dem, was man sich gewünscht hatte. Was aber noch wichtiger ist: „Eine solche Vollversiegelung ist gemäß diverser Landesbauordnungen verboten und wird in einigen Gemeinden und Kreisen auch mit Rückbauforderungen und empfindlichen Strafen belegt", ergänzt Michael Henze.Lebendiger Steingarten
Eine Alternative für Menschen, die Steine in ihrem Vorgärten haben wollen, ist ein Steingarten nach dem Vorbild alpiner Landschaften. Er kombiniert verschiedene Größen von Steinen bis hin zu Findlingen mit einer Vielfalt an trockenheitsliebenden und robusten Stauden und Gräsern. Zwischen den Steinen wachsen bewusst ausgewählte Pflanzen, die mit nährstoffarmem Boden und wenig Wasser zurechtkommen und zugleich Lebensräume für Insekten und andere Kleintiere bieten. Die Alpen sind das klassische Vorbild für solche naturnahen Steingärten: Felsige Gebirgslandschaften, Geröllhalden und alpine Matten mit Pflanzen wie Edelweiß, Enzian und Hauswurz. Mauerpfeffer, Blaukissen und Steinbrech fühlen sich in Felsritzen und Geröll pudelwohl. Viele kennen aus dem Urlaub im mediterranen Raum aber auch Steinterrassen, begrünte Steinmauern, Trockenlandschaften und Gärten, die von Naturstein geprägt und mit Lavendel, Rosmarin oder Thymian bepflanzt sind. Diese Arten zeichnen sich durch Trockenheitsresistenz aus - auch dieses Vorbild kann in einem kleinen Vorgarten nachgebaut werden.
Steine als Mulchschicht
Eine zweite, sehr sinnvolle Variante der Steinverwendung ist es, den bepflanzten Vorgarten mit einer Mulchschicht von feinem Kies abzudecken. Regenwasser kann weiterhin versickern, die Pflanzen stehen in der Erde, die wegen der Mulchschicht länger feucht bleibt und das Pflanzenwachstum damit fördert. Michael Henze: „Diese Form der Gestaltung sieht man immer öfter auch im öffentlichen Grün der Städte und Gemeinden, zum Beispiel auf bepflanzten Kreisverkehren, weil sie tatsächlich pflegeleicht ist. Deshalb können wir sie aus fachlicher Sicht auch für Beetflächen im Vorgarten empfehlen."ähnliche Artikel
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