Baumgesundheit von Grund auf
Laut dem aktuellen Waldzustandsbericht hat sich der Wald seit den Dürrejahren 2018 bis 2020 nicht mehr richtig erholt: Er weist weiterhin eine deutliche Kronenverlichtung, also sichtbare Blatt- bzw. Nadelverluste der Bäume, auf. Nur jeder fünfte Baum ist gesund. Ron Richter, Geschäftsführer der klimafarmer GmbH aus dem rheinland-pfälzischen Nierstein, beobachtet diese Entwicklung mit Sorge: „Der Klimawandel zeigt sich immer deutlicher und der Handlungsbedarf wächst täglich. Wenn schon Waldbäume, die überwiegend gute Standortbedingungen haben, in so starkem Maße Schäden zeigen, kann man sich vorstellen, wie es Stadtbäumen geht, die überwiegend auf vergleichsweise schlechten Standorten wachsen müssen!"

Stadtbäume brauchen Hilfe
Der Klimawandel belastet die Natur ebenso wie uns Menschen: Höhere Temperaturen, längere Hitze- und Trockenphasen. Bei Pflanzen kommen noch weitere Probleme dazu, vor allem eine unsichere Versorgung mit Wasser und Nährstoffen und in der Folge oft auch eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge. Was oberirdisch sichtbar wird - lichte Kronen, Trockenschäden oder Vitalitätsverluste - hat seinen Ursprung meist im Boden. Denn die Leistungsfähigkeit eines Baumes hängt entscheidend von einem intakten, gut entwickelten Wurzelsystem ab. Nur wenn Wurzeln ausreichend Raum finden und in einem lebendigen, durchlüfteten Boden wachsen können, ist eine kontinuierliche Versorgung mit Wasser und Nährstoffen gewährleistet. Gerade in urbanen Räumen sind diese Voraussetzungen jedoch häufig nicht gegeben. Verdichtete Böden, eingeschränkter Wurzelraum und gestörte Bodenstrukturen erschweren die Wasseraufnahme erheblich. Niederschläge versickern schlechter, Nährstoffe stehen nur begrenzt zur Verfügung - Stresssituationen für den Baum sind die Folge.Böden verbessern
„Wenn wir die Vitalität unserer Stadtbäume langfristig sichern wollen, müssen wir unter der Oberfläche ansetzen", betont Ron Richter. „Eine gezielte Verbesserung der Bodenstruktur und die Schaffung von Wurzelraum sind der Schlüssel." Moderne Bodenverbesserungsmaßnahmen bieten hier große Chancen - nicht nur bei Neupflanzungen, sondern ausdrücklich auch im Bestand. Durch geeignete Verfahren kann der Boden wieder durchlässiger gemacht, das Porenvolumen erhöht und die Wasserspeicherfähigkeit deutlich verbessert werden. Das Team von Claus Mattheck vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat mit der sogenannten „Splittzylinder-Technik" ein Verfahren entwickelt, um Baumwurzeln in tiefere, feuchtere Bodenschichten zu locken. „Regelmäßiges oberflächliches Bewässern führt dazu, dass die Wurzeln sich im oberen Bodenbereich entwickeln statt in tieferen Schichten, wo sie mehr Feuchtigkeit finden würden", erläutert Mattheck von der Abteilung Biomechanik am KIT-Institut für Angewandte Materialwissenschaften. Konkret wird neben dem Baum ein Loch mit rund 20 bis 30 Zentimetern Durchmesser möglichst bis in wasserführende Schichten getrieben. In die Öffnung wird eine Mischung aus lockerem Material, z.B. grobem Splitt und Terra Preta bzw. Pflanzenkohle gefüllt.
Mehr Vitalität, weniger Pflegeaufwand
Ron Richter: „Wir unterstützen diese recht einfach umsetzbare Technologie der Splittzylinder, vor allem, weil sie auch im Bestand funktioniert und vergleichsweise günstig ist. Die Effekte sind deutlich spürbar: Bäume mit verbesserten Wurzelbedingungen bleiben vitaler, reagieren weniger anfällig auf Stresssituationen und entwickeln sich langfristig stabiler. Dadurch erhöht sich nicht nur ihre Lebenserwartung, sondern auch ihre ökologische Leistung - etwa in Form von CO₂-Bindung, Kühlung, Schattierung und Luftreinhaltung."Der Vorteil für Kommunen liegt in einem langfristig reduzierten Pflege- und Versorgungsaufwand. Weniger Bewässerung, geringerer Krankheitsdruck und stabilere Bestände entlasten die Budgets von Kommunen und Pflegebetrieben gleichermaßen. Richter sieht die Verwendung von Pflanzenkohle zudem als wertvolle Investition auch mit Blick auf notwendige Anpassungen an den Klimawandel und zum Klimaschutz der Stadtgesellschaft: „Eine gesunde Wurzel ist die Basis für ein funktionierendes Stadtgrün", so Richter. „Angesichts zunehmender klimatischer Belastungen wird deutlich: Nachhaltige Lösungen beginnen im Verborgenen - im Boden. Dort entscheidet sich, ob Stadtbäume in Zukunft ihre wichtigen Funktionen für Mensch und Umwelt erfüllen können." Auch professionelle Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftsbau nutzen die Potenziale von Pflanzenkohle zur Bodenverbesserung und setzen sie im öffentlichen Grün wie auch in Privatgärten erfolgreich ein.
Der Beitrag macht deutlich, dass die Gesundheit von Bäumen vor allem im Boden beginnt. Klimawandel, Trockenheit und verdichtete Böden setzen insbesondere Stadtbäumen stark zu, da ihre Wurzeln oft nur eingeschränkt Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Innovative Verfahren wie die Splittzylinder-Technik und der Einsatz von Pflanzenkohle verbessern die Bodenstruktur nachhaltig, stärken die Vitalität der Bäume und reduzieren langfristig den Pflegeaufwand für Kommunen.
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