Verschlungene Geschichte: Höhenluft für Schlinger und Kletterer

04.10.2005

Verschlungene Geschichte: Höhenluft für Schlinger und Kletterer

Die einen werfen "Angeln" aus, andere drehen sich in schier endlosen Windungen um die eigene Achse, wieder andere nutzen Saugnäpfe oder klettern wie ein Bergsteiger mit "Steigeisen" in die Höhe – die Rede ist von Schlingern und Kletterern im Pflanzenreich. Die Techniken, mit denen schwache, scheinbar haltlose Pflanzen Höhe gewinnen, sind ausgetüftelt und ungemein wirkungsvoll. Nur manchmal machen ihnen die Menschen einen Strich durch die Rechnung, wenn sie Kletterbedingungen schaffen, die die Möglichkeiten der Pflanzen übersteigen.

Klettertechniken 

Bitte klammern! 

Foto: CMA

Foto: CMA

Clematis
klammern sich zum Beispiel mit ihren Blattstielen fest. Wie ein Ärmchen, das sich unterhakt, legen sie sich um jeden Halt, den sie finden. An nicht zu glatten Drähten, Seilen und dünnen Bambusstäben geht es flott nach oben. Aber was soll ein dünner Blattstiel mit einer breiten Holzlatte oder einer dicken, gemauerten Säule anfangen? Man sieht förmlich, wie sich der dünne Stiel abmüht, einen festen Halt zu finden. Er wird erstaunlich lang, presst sich fest an die Unterlage und trotzdem rutscht er immer wieder ab. Daher sollten die Rankhilfen für solche Blattstielranker, zu denen auch die schöne Maurandie (Asarina) und die Kapuzinerkresse (Tropaeolum peregrinum) gehören, nicht dicker als ein Bleistift sein, sonst kümmern die Pflanzen nur hilflos am Boden dahin. 

Klettertechniken
Alles festhalten!
Auch die Pflanzen, die mit langen Ranken nach Unterstützung angeln, brauchen dünne und doch stabile Kletterhilfen. Länger und länger wachsen sie etwa bei der Glockenrebe (Cobea scandens) und drehen sich im Zeitlupentempo fast wie ein Lasso im Kreis. Berührungsreize, zum Beispiel mit einer Kletterhilfe, lassen sie nur noch in diese Richtung wachsen. Bald ist der Halt ein paar Mal fest umschlungen. Nun hat die Ranke Zeit, sich zwischen Trieb und Kletterhilfe aufzurollen, bis sie elastisch wie eine Feder die beiden verbindet. Beim Kürbis lässt sich dieser Vorgang gut beobachten, aber auch zum Beispiel bei der Passionsblume. Die Zugkräfte des Windes federn diese Rankenspiralen elastisch ab. 

Klettertechniken
Im Würgegriff
Schlingern wie dem Schlingknöterich (Fallopia baldschuanica) oder dem Baumwürger (Celastrus orbiculatus) bereiten auch etwas dickere Rankhilfen keine Probleme. In großen Bögen winden sie sich um Pfähle oder Pergolenhölzer. Nur zu glatt dürfen diese nicht sein. Dann rutschen die Triebe ab, die mit wachsender Größe auch immer schwerer werden. Schlingern weist man unmittelbar nach der Pflanzung den Weg, indem man die Triebe um die nächst erreichbare Kletterhilfe legt. Dabei sollte man beachten, dass jeder Schlinger nur in eine, für ihn ganz spezifische Richtung schlingen kann. Der Japanische Blauregen (Wisteria floribunda), dessen Blüten zusammen mit den Blättern erscheinen, windet seine Triebe zum Beispiel nur rechts herum. Der Chinesische Blauregen (Wisteria sinensis), der blüht, bevor die Blättern erscheinen, ist dagegen ausschließlich auf Linksdrehung programmiert. Legt man ihn frisch gepflanzt rechts um seinen Halt herum, macht er sich mühsam wieder los, um danach in die für ihn einzig mögliche Richtung zu wachsen. Dirigiert man ihn voller Mitleid wieder zurück, stört man ihn erneut und verhindert das Pflanzenwachstum. Wer seinen Schlinger jedoch aufmerksam betrachtet, kann an den alten Windungen erkennen, in welche Richtung er gehen muss, und kann ihn auf den rechten – oder linken – Weg bringen. 

Klettertechniken
Halt mich fest!
Selbstklimmer wie Wilder Wein, Efeu oder Kletterhortensie brauchen nur beim Start etwas Hilfestellung. Ein paar Klebestreifen halten die Triebe an Wand oder Mauer fest, bis sie erste Haftwurzeln gebildet haben und sich anklammern. Dann geht es ohne menschliche Nachhilfe immer weiter hinauf. Am meisten Hilfe brauchen etliche der Spreizklimmer, wie Kletterrose und Brombeere, im Garten. In der Natur halten sie sich mit ihren kräftigen Stacheln an anderen Pflanzen fest und schieben sich wie ein Schornsteinfeger im engen Kamin immer höher. Im Garten können und sollen sie das meist nicht. Da hilft nur eins: Aufbinden am Rankgerüst. Die gleiche Technik, nur ohne Stacheln, nutzen Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) und Kletter-Spindelstrauch (Euonymus fortunei) mit seinen Sorten. Für diese Pflanzen ist ein quer- und senkrechtes Lattengerüst hilfreich, ähnlich dem, das man für die Kultur von Spalierobst nutzt. Zum Start schiebt man die Triebe zwischen die unteren Sprossen und bindet sie fest. Später bedarf es kaum noch Nachhilfe. Es dauert zwar seine Zeit, bis diese Spreizklimmer Höhe erreicht haben. Aber dafür ist eine Wand, vor der das winterliche Gelb des Jasmins leuchtet oder die aus den weißgrünen Blättern von Euonymus fortunei 'Gracilis' besteht, etwas ganz Besonderes. 

KLETTERHILFEN
Auf gutes Gelingen
Bei allen Seilen, Gittern oder Gestellen, die man für die Schlinger, Ranker und Kletterer vorsieht, muss man eins im Auge behalten: Die Pflanzen werden mit dem Alter immer schwerer. Gute Qualität und verlässliche Stabilität von Holz, Metall oder Kunststoff sind daher besonders wichtig. Verwendete Seile sollten mit der Zeit nachgespannt werden können, denn sie geben unter dem wachsenden Druck der Pflanzen meist nach. Die Wände, die Haftkletterer tragen sollen, müssen trocken, sauber verfugt oder verputzt und gänzlich ohne Fugen und Risse sein. Verblendetes Mauerwerk und mit Dispersions-Silikat beschichtete Wände sind für die Bepflanzung mit Selbstklimmern gänzlich ungeeignet. Hinter erstere schieben sich schon bald die ersten kleinen Wurzeln. Die zweiten besitzen nicht genügend Tragkraft für die Pflanzen. Nur bei den einjährigen Schlingern sind all diese Überlegungen nicht nötig: Sie erobern ihre Höhe notfalls auch an einem stabilen Bindfaden und lassen es für einen Sommer aus der dritten Dimension herab blühen.

Quelle: cma

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