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18.12.2025
Heimisch ist nicht immer besser
Wer aufmerksam durch die Landschaft geht oder sich in seinem Garten umschaut, kann es wahrnehmen: Der Klimawandel verändert und beeinflusst die Lebensbedingungen für viele Pflanzen und Tiere. Durch höhere Temperaturen und häufigere Trockenperioden werden wärmeliebende Arten gefördert, während sich kälteabhängige oder feuchteliebende Arten zurückziehen oder sogar verschwinden. Umgekehrt etablieren sich neue Pflanzen, die hier keine natürlichen Feinde haben und das ökologische Gleichgewicht empfindlich stören können.


Was ist heimisch?
Besonders im 17. und 18. Jahrhundert gab es viele Forschungsreisende, die Zier- und Nutzpflanzen aus Amerika, Asien und Australien nach Europa brachten. Ihre Entdeckungen wurden zunächst in Botanischen Gärten, bald aber auch in Gärten allgemein verbreitet und sorgten für eine größere Vielfalt in der hiesigen Pflanzenwelt: Exotische Exemplare, sowohl als Zimmerpflanzen wie auch als Gartenpflanzen, wurden nach Europa gebracht, hier getestet und weiter kultiviert. Viele Pflanzen, die heute ganz selbstverständlich in unseren Gärten stehen, sind erst seit dieser Zeit in Deutschland bekannt. Manche sind besonders insektenfreundlich, weil sie viel Pollen und Nektar bieten, oder sie sind beliebte Nutzpflanzen. Kräuter wie Lavendel, Rosmarin, Bohnenkraut, Majoran, Thymian und Basilikum, aber auch Arten wie Sonnenblume, Patagonisches Eisenkraut, Indianernessel oder Sonnenhut gehören dazu. Auch die heute für die typisch deutsche Küche unersetzliche Kartoffel ist keineswegs eine hier ursprünglich beheimatete Pflanze: Sie kam Ende des 16. Jahrhunderts über spanische Seefahrer nach Deutschland, zunächst jedoch nur als Zierpflanze in botanischen Gärten. Der Preußenkönig Friedrich der Große förderte den Anbau massiv, indem er 1756 einen Kartoffelbefehl erließ und Bauern durch eine List überzeugte, das „Teufelskraut" anzubauen. Dr. Michael Henze betont: „Es ist wichtig, darauf zu achten, dass neue Pflanzenarten nicht invasiv sind, also eine Gefahr für die hiesige Pflanzen- und Tiervielfalt darstellen. Hier ist Pflanzenkenntnis und auch Wissen um ökologische Zusammenhänge gefragt, um die Auswahl für den Garten sorgfältig und standortgerecht zu treffen."
Risiken und Chancen
Fremdländische Pflanzen erweitern oft den Blühzeitraum im Garten und sorgen für zusätzliche Farben und Formen. Das kann helfen, ein kontinuierliches Angebot an Pollen und Nektar zu schaffen, wenn heimische Arten eine Blühpause haben. Es gibt aber auch Pflanzenarten, die keinen ökologischen Nutzen haben, oder sogar dazu führen, dass andere heimische Arten verdrängt werden. Dr. Michael Henze: „Wir empfehlen, im eigenen Garten möglichst vielfältige Pflanzungen zu schaffen. Konkret bedeutet das, wir verwenden sowohl heimische, als auch fremdländische Pflanzen, achten auf die Förderung nützlicher Insekten durch blühende Pflanzen und ihr Laub, schaffen aber auch Rückzugsorte." Wenngleich private Gärten meist relativ kleine Flächen haben, sind sie in Summe extrem wichtig und weithin wirksam zu Erhaltung und Entwicklung vielfältiger Lebensräume in Städten und Dörfern. Auch mit Blick auf Pflegemaßnahmen ist Fachkompetenz wichtig: Es gilt, beispielsweise darauf zu achten, Hecken und Sträucher nur zu günstigen Zeitpunkten zu schneiden, um Nistplätze und Überwinterungsmöglichkeiten nicht zu zerstören. Durch eine überwiegend monokulturelle Landwirtschaft ist die Artenvielfalt heute auf dem Land meist kleiner als in der Stadt. Die Natur verändert sich ständig und entwickelt sich durch die Begleiterscheinungen des Klimawandels dynamisch. Auch unsere Gärten sind diesem Wandel unterworfen. Dr. Michael Henze: „Hier hilft es, genau hinzusehen und sich mit der Bepflanzung bestmöglich anzupassen."Quelle: Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. / GPP
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